Der Krieg in Bosnien
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Srebrenica
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Vorwort
Es gibt diverse Versuche, den unseligen Krieg im Zusammenhang mit dem Zerfall des jugoslawischen Bundesstaates zu erklären und zu begründen. Die meisten westlichen Kommentatoren machen es sich mit der Schuldzuweisung dabei sehr einfach. Es gibt einen "bösen" Agressor, nämlich die Serben, und dann nur noch Opfer. Nur so kann man ja auch die einseitige Einmischung der EU (allen voran Deutschland und Österreich) und der UNO halbwegs glaubhaft rechtfertigen. Es handelte sich aber nicht um einen Krieg zwischen Nationen oder Staaten, sondern um den Zerfall eines Vielvölker- und Vielreligionenstaates. Dies war seit Aufkeimen der kroatisch - serbischen Gegensätze Anfang des 20. Jahrhunderts um die Vormachtstellung in Jugoslawien und mit dem Erwachen nationalistischen und faschisten Gedankengutes insbesondere in Serbien (Traum serbischer Nationalisten von "Großserbien") und in Kroatien angesichts einer nur schwachen Zentralregierung unausweichlich. Die Abspaltung Sloweniens verlief dabei nahezu unblutig. Schwieriger war schon die Unabhängigkeit Kroatiens. In Kroatien waren nationalistische Kräfte an die Macht gekommen, von denen viele von einer Wiedergeburt des faschistischen Ustasha-Staates träumten.

Neben der alten Rivalität zwischen Kroaten und Serben gab es hier noch ein weiteres Problem: 12,2 % serbischer Bevölkerungsanteil (z.B. Krajina). Reaktion der kroatischen Führung: Der Verteidigungsminister Martin Spegelj sprach in einem TV-Interview von der unumgänglichen "Ausrottung" der Serbenhochburg Knin. Der Journalist, der die freizügige Rede Spegeljs in Bild und Ton setzte, verstarb zwei Stunden nach Ausstrahlung des Beitrages (angeblich Selbstmord). Die serbische Minderheit in Kroatien bekam Angst vor den Sezessionisten aus Zagreb. Folgerichtig beschloss man in Knin, Pankrac und Umgebung am 22. Februar 1991 eine "Serbische Autonome Provinz Krajina" auszurufen - ganz nach dem Vorbild Sloweniens und Kroatiens. Letztendlich bombte sich die junge kroatische Republik im Sommer 1995 mittels der Aktionen "Blitz" und "Sturmgewitter" serbenfrei, 200.000 Menschen flüchteten in die serbisch kontrollierten Gebiete Bosniens. Zwischen den Ereignissen von Pankrac und dem kroatischen "Sturmgewitter" hatten jugoslawische Truppen ganze Städte wie Vukovar in Schutt und Asche gelegt und die kroatische Bevölkerung daraus vertrieben. Titos Kampfgefährte, Milovan Djilas, sollte recht behalten. Im Juni 1991 hatte er in der Wiener "Presse" gewarnt: "Die Anerkennung der Unabhängigkeit von Slowenien und Kroatien durch Deutschland, Österreich oder andere Staaten wird direkt zu einem Bürgerkrieg in Jugoslawien führen. Dieser Krieg würde von unvorhersehbarer Dauer sein und koennte, so fürchte ich, durch die Intervention internationaler Organisationen oder das Eingreifen der Grossmächte nicht gestoppt werden." Die zwei für Westeuropa wirtschaftlich interessantesten Partner - Slowenien und Kroatien - waren nach den Kriegen um die Krajina und Slawonien "ethnisch homogen".

In keiner Teilrepublik des ehemaligen Jugoslawien verlief der Krieg 1992 bis 1995 so blutig, wie in Bosnien - Herzegowina. Nirgendwo in Jugoslawien trafen unterschiedliche Religionen und Kulturen derartig stark miteinander vermischt aufeinander. Wie sehr die Bevölkerungsgruppen miteinander vermischt waren, wird aus nachstehender Karte deutlich:

Legt man die Maßstäbe der zivilisierten Welt an, so gehörte die Bevölkerung Bosnien-Herzegowinas zum selben Volk wie die Slawen außerhalb dieser Provinz. Das religiöse Zugehörigkeitsgefühl war jedoch so stark und tiefverwurzelt, daß die Unterschiede zwischen den drei Gruppen stärker empfunden wurden als die zwischen Schwarzen und Weißen in einer rassisch gemischten Gesellschaft der westlichen Welt. Die Religion bestimmte alle Lebensbereiche und trennte Christen und Muslime bis 1918 auch sozial scharf voneinander. Die Muslime waren meist Besitzer von feudalen Gütern, Kaufleute oder freie Bauern. Die Christen stellten die leibeigene Bevölkerung, einen Teil der Handeltreibenden und die Intelligenzija, die sich in dieser Zeit herauszubilden begann. Die Zugehörigkeit zur einen oder anderen Religion war unter der osmanischen Herrschaft sogar mit dem Zwang zur Beachtung einer spezifischen Kleiderordnung verbunden. Vor den Reformen des Jahres 1856 durften die Christen nur die Farben schwarz, weiß und purpurrot tragen. Weitere sozio-kulturell trennende Faktoren waren die verschleierte muslimische Frau und die Polygamie, die bei den Muslimen Bosnien-Herzegowinas noch bis 1945 anzutreffen war (der Zensus von 1910 zählte noch 1 222 polygame Ehen). In den Glanzzeiten des sozialistischen Jugoslawiens unter Tito wurden diese Gegensätze durch den Stolz und die gemeinsamen Ideale in den Hintergrund gedrängt. Nach Titos Tod brachen diese Gegensätze aber verstärkt wieder aus.

Und alle drei Gruppen haben ihre eigenen jahrhundertalten Ängste und Wünsche. So sind die Moslems, früher zweitstärkste Bevölkerungsgruppe, seit dem zweiten Weltkrieg und der Verfolgung der Serben stärkste Bevölkerungsgruppe Bosniens in Europa nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches 1913 religiös isoliert und suchen eine eigene Identität. Die Imame erhielten nach 1980 immer mehr Einfluß. Fundamentalistische Muslime gewinnen an Einfluß. Diese werden hierbei in großem Umfang von ausländischen islamischen Regierungen (z.B. Saudi-Arabien) unterstützt, die sektiererische Strömungen unter den bosnischen Muslimen unterstützen und einen "islamischen Staat" wünschen. So werden zur Zeit mit arabischem Geld Unmengen von Moscheen gebaut, die dann von jungen zum Teil auch ausländischen Imamen besetzt werden, die einen ideologischen und kämpferischen Islam predigen. Sie finden in der verängstigten muslimischen Bevölkerung offene Ohren. So beklagt der katholische Erzbischof von Sarajevo, Kardinal Puljic, "seine Beziehungen zur traditionellen Führung der islamischen Gemeinschaft in Sarajewo - zum Reis-ul-Ulema und dessen Mitarbeitern - seien weiterhin gut. Anders sehe es jedoch bei den von außen kommenden, meist jungen Imamen in den neuen Moscheen aus. Den katholischen Priestern gelinge es nicht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen". Eigentlich befürworteten die Führer der Moslems in Bosnien eine "gross- jugoslawische" Lösung. Nach dem Ausscheren Sloweniens und Kroatiens konnten sie sich jedoch einen Verbleib in einem serbisch dominierten Restjugoslawien nicht vorstellen. Folgerichtig erklärten sie ebenfalls ihre politische Unabhängigkeit.

Die Orthodoxen Christen suchen nach jahrhunderte andauernder Verfolgung und Unterdrückung Schutz und Anlehnung an das orthodoxe Serbien.

Eigenartig, wie sich die Geschichte manchmal wiederholt. Als 1805 aus der Umgebung Sarajevos erstmals in der modernen Geschichte eine Rebellion orthodoxer Christen gegen die Türken und die bosnisch- moslemische Oberschicht gemeldet wurde, erlangten die Dörfer Butmir, Hadzici, Rakovica, Kulijas, Drazgometva, Pazaric, Skanska, Vogosca, Nahorevo, Crna Rijeka traurige Berühmtheit als Ziele militärischer Gegenschläge und Strafmaßnahmen.(Handschriftliche Gerichtsprotokolle in der Bibliothek Gazi Husref-beg in Sarajevo). Dem Leser von Berichten über den Bürgerkrieg Ende des 20. Jahrhunderts in diesem Gebiet werden diese Namen bekannt vorkommen. Denn genau diese Dörfer bildeten jetzt den serbischen Belagerungsring um die bosnische Hauptstadt um zu verhindern, daß man wieder unter muslimische Herrschaft gerät. 1805 rebellierten unter der Führung von Karadjordjevic die bosnischen Serben gemeinsam mit denen des Mutterlandes gegen die Türkenherrschaft. Seit dieser Zeit verzeichnet die Geschichte dieser Provinz 14 serbische nationale Erhebungen verschiedenen Ausmaßes. Sie alle stehen in Zusammenhang mit der Agrarfrage, die bis zur endgültigen Vereinigung Jugoslawiens im Jahre 1918 das Grundmotiv des sozialen Fortschritts dargestellt hat. Die bedeutendsten waren der »Aufstand des Vukalovic« (1852-62) und die Kette von Aufständen während der Großen Orientkrise (1875-78). Beide Ereignisse haben manches gemeinsam mit dem aktuellen Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Die Ursache für diese Erhebungen war das Bestreben der Orthodoxen, sich mit ihren Glaubensbrüdern im freien Serbien und Montenegro zu vereinigen.

Tabellarischer Ablauf
15.01.1992 Anerkennung Sloweniens und Kroatiens durch die EG. Hinsichtlich Bosnien- Herzegowinas müssen noch "Fragen geklärt" werden.
06.04.1992 Bosnien wird von der EG als unabhängiger Staat anerkannt. Die USA folgt diesem Schritt. In Bosnien ruft die Serbische nationale Partei im Gegenzug eine Serbische Republik Bosnien- Herzegowina aus. Die Feindseligkeiten in Bosnien beginnen.
05.04.1992 Friedensdemonstration in Sarajevo gegen die Nationalistenführer Karadzič und Izetbegovič.
Frühjahr 1992 Srebrenica: Bis zum Jahresende vertreiben muslimische Terrortrupps unter dem Kommandanten Naser Oric die Serben blutig aus der Enklave Srebrenica (30% der Einwohner waren orthodox/serbisch). Vermutliche serbische Opfer in dieser Zeit in und in der Nähe von Srebrenica: 192 niedergebrannte Dörfer (Zahl wird von niederländischen Blauhelmtruppen bestätigt) sowie schätzungsweise 2800 getötete Serben; 1.000 getötete Serben wurden gefunden und identifiziert. (Berichte der Pathologn liegen inzwischen dem Tribunal in den Haag vor). Srebrenica wird Anfang 1993 UNO - Schutzzone und niederländische Blauhelmtruppen werden stationiert.
27.05.1992 In Sarajevo explodiert ein Sprengkörper in einer um Brot anstehenden Menschenmenge(27 Tote). Die Internationale Presse gibt den Serben die Schuld. Die UNO - Truppen vor Ort vermuten jedoch aufgrund etlicher "Ungereimtheiten" Moslems als Täter. So wurde der Zugang zum Marktplatz vor dem Attentat für Moslems gesperrt, sodaß überwiegend Serben die Opfer waren. Auch die Art der Geschosse und die Tatsache, daß "zufällig" das bosnische Fernsehen anwesend war, um zu filmen, gab den UNO- Truppen vor Ort Anlass zum Zweifel.

Der Kommandeur der UN- Truppen, MacKencie wird daraufhin entlassen.

29.05.1992 Heftige Artillerieangriffe auf Sarajevo. Eine Granate richtet ein Massaker an. Auf bosnische Serben wird geschossen, als sie, wie verabredet, die letzten Kasernen in Sarajevo verlassen wollen (Dutzende von Toten)
30.05.1992 Unter dem Eindruck des "Massakers von Sarajevo" verhängt der Sicherheitsrat Sanktionen gegen Serbien und Montenegro (u.a. Handelsembargo, Unterbrechung des Flugverkehrs ). Der Sicherheitsrat macht Serbien für die anhaltenden Kämpfe verantwortlich. Der serbische Präsident hatte allerdings erklärt, er habe nach dem offiziellen Rückzug der serbischen Volksarmee aus Bosnien keinen Einfluß auf die freiwillig dort verbliebenen Teilverbände.
22.01.1993 Maslenica- Offensive der Kroaten, um die Verbindung nach Süddalmatien wieder herzustellen. Die Kürze der Kampfhandelungen um die Brücke gibt zu der Vermutung Anlass, daß serbisch- kroatische Absprachen getroffen worden warten.
23.01.1993 Alle Parteien stimmen dem Vance-Owen Plan zu, erheben aber Einwände gegen den Grenzverlauf der eigenen Provinzen. Die Konferenz wird überschattet von einer neuen Krajina- Offensive der Kroaten und heftigerer Kämpfe um Sarajevo.
01.05.1993 In Athen setzt der Führer der bosnischen Serben, Karadzič, auf Druck von Restjugoslawien seine Unterschrift unter den Vance-Owen Plan, macht die Gültigkeit aber von der Zustimmung seines Parlamentes abhängig.
05.05.1993 Der Vance-Owen Plan wird vom Parlament mit 52:2 Stimmen abgelehnt. Karadzič bezeichnet die Entscheidung als nicht endgültig und weist auf eine Volksentscheidung seiner Volksgruppe Mitte Mai hin.
15.05.1993 Karadzič erklärt den Vance- Owen Plan für gescheitert. Die geleistete Unterschrift sei nach dem Votum der bosnischen Serben ungültig. Er fprdert neue Vermittlungsvorschläge.
23.07.1993 Der Sicherheitsrat verurteilt einen neuen Vorstoß bosnischer Serben zur Isolierung Sarajevos. Schwerste Kämpfe zwischen bosnischen Kroaten und bosnischen Moslems um die Stadt Mostar.
25.07.1993 Ein UNO - Konvoi mit Versorgungsgütern darf die kroatischen Linien passieren, um die Stadt Mostar zu versorgen. Die UN - Soldaten werden in der Stadt von Moslems als Geiseln genommen.
27.07.1993 Neue Verhandlungsrunde in Genf. Kroatisch-serbischer Plan einer Dreiteilung Bosniens.
30.07.1993 Einigung der drei Verhandlungspartner. der Grenzverlauf bleibt aber offen.
28.02.1994 Erster Kampfeinsatz der NATO wegen Verletzung des Flugverbotes über Bosnien. Über Banja Luka werden vier Kampfflugzeuge abgeschossen. Diese serbischen Flugzeuge sollen eine moslemische Militärfabrik beschossen haban.
01.03.1994 Der bosnische Ministerpräsident Silajdzič, der kroatische Außenminister Granic sowie Vertreter der bosnischen Kroaten unterzeichen ein Rahmenabkommen über edie Schaffung einer aus zwei Bevölkerungsgruppen bestehenden Föderation in Bosnien.
03.03.1994 Der Sicherheitsrat fordert die endgültige Beendigung der Belagerung Sarajevos.
06.07.1994 Die im April eingesetzte Kontaktgruppe legt in Genf einen von ihr ausgearbeiteten Plan mit Landkarte über die Aufteilung Bosniens vor. Die Serben, die 70% des Territoriums kontrollieren, sollen 49% erhalten. Die Außenminister der Kontaktgruppe fordern Zustimmung innerhalb von zwei Wochen. Kosyrew spricht von einem friedlichen Ultimatum, eine Ablehnung würde ernste Konsequenzen haben.
19.07.1994 Die bosnisch-kroatische Seite stimmt vorbehaltlos zu.
20.07.1994 Die Versammlung der serbischen Republik lehnt den Plan ab.
28.07.1994 Die bosnischen Serben verlangen eine Korrektur der vorliegenden Landkarte sowie das Recht auf volle Selbstbestimmung, die auch das Recht des Anschlußes an Serbien beinhaltet.
02.08.1994 Serbien richtet an die bosnischen Serben die dringende Aufforderung, den Plan anzunehmen.
03.08.1994 Die serbische Versammlung in Pale bekräftigt ihre ablehnende Haltung und setzt ein Referndum für den 27.08.1994 an.
04.08.1994 Milosevič verurteilt in einer über Radio Belgrad verbreiteten Rede die Haltung Pales. Er gibt den Abbruch der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit den bosnischen Serben und die Schließung der Grenze bekannt.
05.08.1994 NATO Flugzeuge bombardieren auf Anforderung der UNPROFOR- Truppen bosnisch-serbische Stellungen in der "Sperrzone" von Sarajevo. Die Serben hatten zuvor schwere Waffen aus einem Lager der UN- Truppen abtransortiert und einen Hubschrauber der Blauhelme abgeschossen.
Einschub zum besseren Verständnis:

Bei dem "Belagerungsring" um Sarajevo handelte es sich nicht um einen typischen Belagerungsring einer Agressionsarmee, sondern um eine Reihe von Dörfern, die schon seit hunderten von Jahren fast zu 100 % von orthodoxen Christen ("Serben") bewohnt wurden, und schon im Jahre 1805 beim Aufstand gegen die türkischen Machthaber in Sarajevo einen "natürlichen" Belagerungsring bildeten.

24.09.1994 Der Sicherheitsrat beschließt eine Lockerung der Sanktionen gegen die Serben, gleichzeitig eine Verschärfung der Sanktionen gegen die bosnischen Serben.
31.10.1994 bosnisch- muslimische "Regierungstruppen" erobern weite Gebiete nahe Bihač. Zehntausende Serben sind auf der Flucht.
03.11.1994 Das kroatisch- muslimische Bündnis zeigt Früchte. Die bosnischen Serben geraten zusehends unter Druck, nachdem sich die kroatischen und muslimischen Verbände vereinigt haben.
11.11.1994 Die USA heben das Waffenembargo gegen Kroatien und Bosnien auf.
17.11.1994 Schwere Kämpfe um Bihač. Die bosnichen Regierungstruppen (kroatisch-muslimisch) geraten in Bedrängnis, da der regionale Muslimführer Abdic sich mit 5000 Soldaten auf die Seite der bosnischen Serben schlägt. Abdic ist gemäßigter Muslim und ein alter Gegner Izetbegovic, dessen fundamentalistisch islamistische Haltung Abdic ablehnt.
19.11.1994 Nach Angaben der muslimischen Propagandamaschinerie werfen die bosnischen Serben über Bihač Napalmbomben ab. Die UNPROFOR- Truppen vor Ort berichten, daß solche Angriffe keinerlei Opfer gefordert hätten.
Dezember 1994 Bemühungen um einen Waffenstillstand.
12.01.1995 Tudjman fordert die Blauhelmtruppen zum verlassen Kroatiens auf.
12.03.1995 Auf Drängen der UN stimmt Tudjman dem Verbleib einer verkleinerten Blauhelmtruppe von 5.000 Mann zu.
02.05.1995 Spannungen in Kroatien. Artilleriebeschuß von Zagreb durch Krajina- Serben. Kroaten greifen Krajina Serben an, darunter auch zwei von vier UNO-Sektoren zum Schutze der Krajina- Serben. Der Angriff wird von den Kroaten als "Maßnahme zur friedlichen Eingliederung der Krajina- Serben" bezeichnet.
22.05.1995 Bosnische Serben transportieren schwere Waffen aus einem Munitionsdepot der UN ab.
25.05.1995 NATO- Bombardierung eines Waffendepots bei Pale. Die Serben reagieren mit Artilleriebeschuß der Städte Tuzla und Sarajevo und nehmen Blauhelmsoldaten als Geiseln.
25.05.-31.05.95 Diverse Bombardements und Gegenraktionen der bosnischen Serben. NATO beschließt Eingreiftruppe zu bilden.
11.07.1995 Eroberung der Schutzzone Srebreniza durch die bosnischen Serben. Es schließt sich das "Massaker von Srebreniza" an.
28.07.1995 Kroaten besetzen einige Städte im Grenzgebiet Bosnien- Kroatien und unterbrechen damit die Versorgungslinien der Krajina- Serben.
29.07.-03.08.95 Während in Genf Vertreter Kroatiens mit Vertretern der Serben aus der Krajina verhandeln, greift die kratische Armee die Krajina an und erobert sie in wenigen Tagen. In Zagreb heißt es dazu, die serbische Seite habe sich einer friedlichen Wiedereingliederung der einseitig ausgerufenen Krajina-Republik in den Staat Kroatien widersetzt.
04.08.-08.08.95 Bei der kratischen Offensive werden auch UN- Truppen beschossen. 200.000 serbische Flüchtlinge fliehen nach Banja - Luka. Ca. 10.000 Serben werden getötet.
21.08.1995 UNO wirft Kroatien systematische Menschenrechtsverletzungen vor, Plünderungen, Brandschatzungen und Mord.
25.08.1995 Blauhelmtruppen verlassen Gorazde. Damit bricht die UNO ein internationales Versprechen. UN- Militärs gehen davon aus, daß die Stadt nicht zu halten sei.
28.08.1995 Folgenschwerer Granatenangriff auf Sarajevo, der den bosn. Serben angelastet wird. Tudjman fordert ultimativ die Rückgabe Ostslawoniens und droht mit Offensive, wenn diese Region nicht freiwillig unter kroatische Oberhoheit gestellt würde. Tudjman weist die Vorwürfe der Menschenrechtsverletzungen zurück.
29.08.1995 Izetbegoviဝ wird von Chirac empfangen und fordert Unterstützung. Andernfalls würde er die Friedensverhandlungen abbrechen. Chirac läßt Bereitschaft zu einem Vergeltungsschlag erkennen. Volker Rühe spricht von einer "militärischen Antwort" und einer "abschreckenden Reaktion.
30.08.1995 Massive Angriffe der NATO auf Stellungen der bosnischen Serben. Eine Gegenwehr der bosn. Serben erfolgt nicht. Die Führung der bosnischen Serben und die Regierung "Restjugoslawiens" einigen sich auf eine gemeinsame Verhandlungsdelegation bei den weiteren Friedensgesprächen unter der Führung Milosevičs.
31.08.1995 Russland fordert die NATO auf, ihre militärischen Aktionen einzustellen, und die bosnischen Serben, ihre schweren Waffen aus Sarajevo abzuziehen.
01.09.1995 Erster Kampfeinsatz deutscher Tornados. Kundgebung zum Antikriegstag. Unterbrechung der NATO- Kampfeinsätze gegen die bosnischen Serben.
08.09.1995 Konferenz der Außenminister von Kroatien, Serbien und Bosnien in Genf. Zustimmung zur "Prinzipien- Erklärung" und Aufteilung des Landes Bosnien 51% zu 49%. Jeweils eigener Status für die "serbische Republik" und die "Föderation von Bosnien und Herzegowina". Beginn der Friedensgespräche.
05.10.1995 Bosnische Regierung verzichtet auf die Entmilitarisierung Banja Lukas. Holbrooke vermittelt 60-tägigen Waffenstillstand ab 10.10.1995.
12.10.1995 Waffenstillstand.
01.11.1995 "Annäherungsgespräche" in Dayton, Ohio zwischen den Präsidenten von Kroatien, Restjugoslawien und Bosnien.
21.11.1995 Friedensabkommen von Dayton wird paraphiert
23.11.1995 Die Führung der bosnischen Serben nimmt das Friedensabkommen von Dayton an.
14.12.1995 Unterzeichung des Friedensvertrages in Paris. Verhandlungen über das Schicksal der serbischen Stadtviertel von Sarajevo.
10.01.1996 Zwischenfälle in Mostar und Sarajevo. Die Serben beginnen, aus den serbischen Stadtviertel in Sarajevo zu fliehen.
17.02.1996 Kurzfristig angesetzter Bosniengipfel in Rom. Einigung über den Status von Sarajevo und die Aufteilung Mostars ("Koschnik-Plan"). Die serbische Bevölkerung Sarajevos wird aufgefprdert, ihre Wohngebiete nicht zu verlassen, internationale Sicherheitsgarantie. Gleichzeitig fliehen tausende von Serben aus Sarajevo.
23.02.1996 Übergabe des serbisch bewohnten Vorortes Vogosca unter Aufsicht von UN- Polizei.
02.03.1996 Plünderungen und Brandschatzungen in Sarajevos serbischen Stadtteilen. Karadzic bittet Milosevic um Hilfe bei der Aussiedlung der serbischen Bevölkerung.
12.03.-13.03.96 Serben übergene den Vorort Ilidza, nur wenige Serben verbleiben in Sarajevo. Die verbliebenen Serben werden von nachrückenden Moslems hart attackiert. ca 150.000 Serben fliehen insgesamt aus Sarajevo. Ethnische Säuberung unter UNO- Aufsicht??? Vor dem Krieg waren ca 45% der ca 400.000 Einwohner Sarajavos muslimisch, 30% orthodox(serbisch) und 15 % katholisch (kratisch). Nach dem Krieg sind ca 85 % der Bevölkerung muslimisch.
Ergebnis des Krieges: ca 200.000 Tote, 60% der Bevölkerung Bosnien Herzegowinas (=2,5 Millionen Menschen) Vertriebene oder Flüchtlinge. Die Wirtschaft zerstört. Arbeitslosenquote bei ca 60%.
Srebrenica


Kein Ereignis im Bosnienkrieg hat die Welt so erschüttert und entrüstet, wie die Vorgänge in und um Srebrenica im Juli 1995. Kein Ereignis wurde von den westlichen Medien so ausgeschlachtet und in den Mittelpunkt gestellt.

Srebrenica ist die moralische Rechtfertigung der NATO und des Westens, insbesondere auch der deutschen Regierung, in den Bürgerkrieg in Bosnien aktiv militärisch und zwar einseitig gegen die bosnischen Serben einzugreifen. Die von ihnen begangenen Menschenrechtsverletzungen an moslemischen Zivilisten und Militärs dienten in Deutschland und anderen westlichen Staaten zur Legitimation eines militärischen Eingreifens. SPD und Bündnisgrüne, die "vor Srebrenica" noch Widerstand gegen die Pläne der Kohl-Regierung geleistet hatten, die Bundeswehr außerhalb des NATO-Bündnisgebietes einzusetzen, schwenkten in der Folge rasch um.

Diese tief greifende Revision der traditionellen Außenpolitik Deutschlands war nur möglich, weil die Opferzahl inflationiert und so - erinnert sei an das Diktum des Sozialdemokraten Freimut Duve von der "Rampe von Srebrenica" - Srebrenica in die Nähe von Auschwitz gerückt wurde.

Bereits 1991 und 1992 war (von der internationalen Presse weitestgehend ignoriert) Srebrenica und das ganze Gebiet der Podrinje, das Gebiet auf bonischer Seite am Grenzfluß Drina zu Serbien von Zvornik im Norden, bis Visegrad im Süden, ein Ort grausamer Verbrechen. Der muslimische Kommandant Naser Oric wütete unter den bosnischen Serben und brannte 192 Dörfer nieder (so auch Tom Karremans, Kommandant der Anfang 1993 dort stationierten niederländischen Blauhelmtruppe). 2.800 Serben wurden vermisst, ca 1.000 Leichen serbischer Opfer aus Massengräbern exhumiert und identifiziert. Auch nach Schaffung der UN - Schutzzone gab es immer wieder Übergriffe von moslemischen Freischärlern, die blitzschnelle Angriffe in das Umland starteten und sich dann wieder schnell unter den "Schutz" der Blauhelme zurückzogen. Im April 2003 wurde Naser Oric, ehemaliger Bodygard Milosevics und Kommandant der muslimischen Freischärler in und um Srebrenica, verhaftet und vor dem Tribunal in Den Haag angeklagt. Ihm werden persönlich bisher nur 7 Morde sowie die Zerstörung etlicher serbischer Dörfer angelastet.

Als sich das Kriegsglück zugunsten der bosnischen Serben verschob, wurde Srebrenica zur muslimischen Fluchtburg. Die in einem engen Talkessel gelegene Kleinstadt mit ursprünglich einmal 20.000 Einwohnern (davon vor dem Krieg 30% orthodoxe (Serben)) mußte im Juli 40.000 Menschen Obdach gewähren. Aus der Stadt kamen verzweifelte Hilferufe an die Weltöffentlichkeit mit der Bitte um Hilfsgüter, Nahrung und Kleidung. Dann griffen die Truppen der bosnischen Serben unter Krstic und Mladic Srebrenica an und namen die Stadt am 11. Juli 1995 ein. Im Juni 1995 wurde der muslimische Kommandant Srebrenicas, Naser Oric unverständlicherweise von der militärischen Führung der bosnischen Armee zusammen mit elf seiner Unterführer "zu Besprechungen" nach Tuzla gerufen. Ein Hubschrauber holte die Kommandeure ab. Sie standen nicht mehr zur Verteidigung Srebrenicas zur Verfügung, als einen Monat später der serbische Großangriff begann. Warum dieser Befehl erging, ist bis heute nicht aufgeklärt. Man weiß nur, dass im Hintergrund von Seiten der UN, der serbischen Führung unter Radovan Karadzic und Ratko Mladic sowie der bosnischen Führung um Alija Izetbegovic über die Aufgabe der Enklaven Srebrenica, Zepa und Gorazde verhandelt wurde. Im Gegenzug sollte die Belagerung Sarajevos aufgehoben werden. Was im Abkommen von Dayton auch geschah - nur Gorazde blieb unter muslimischer Kontrolle. (TAZ 12.04.2003).

Die Blauhelmtruppen schauten hilf- und tatenlos zu. Was danach geschah, ist bis heute nicht geklärt. Srebrenica wurde von der muslimisch- bosnischen Regierung und vor allem dem Westen erbarmungslos propagandistisch ausgeschlachtet, sodaß bis heute keine halbwegs verläßlichen und glaubhaften Zahlen vorliegen. Die Zahlenangaben über getötete Moslems schwanken hierbei zwischen 2000 (davon 1800 bei offiziellen Kämpfen getötet) und 30.000. Die Zahl von 2000 stammt hierbei von offizieller Seite der Srpska Republika, also den bosnischen Serben als Täter, und die genauso unglaubwürdige Zahl von 30.000 von - man höre und staune - von Rudolf Scharping, als er während der Nato - Einsätze in Bosnien bei Sabine Christiansen im deutschen Fernsehen den Einsatz der Bundeswehr rechtfertigte. Die bosnischen Serben räumen allerdings neuerdings ein, daß "ebenso viele Muslime der privaten Vergeltung von Angehörigen der bosnisch-serbischen Armee zum Opfer gefallensein könnten. Diese Soldaten wären über die Regeln des Krieges "nicht informiert" gewesen" (TAZ 21.01.2003).

Was gibt es nun an halbwegs glaubhaften Zahlen? Das internationale Rote Kreuz (IKRK) hat bis zum Sommer 2001 insgesamt 7.475 vermißte Personen aus Srebrenica und Umgebung registriert. Wieviel dieser vermißten Personen tot sind, ist ungeklärt. Die bosnischen Serben behaupten, dass die Namen von über 3.000 angeblich Verschwundenen zwei Jahre später auf den OSZE-Wählerlisten für die Kommunalwahlen in Bosnien-Herzegowina wieder aufgetaucht seien. Das UN-Tribunal in Den Haag, das die entsprechenden Grabungsarbeiten in und um Srebrenica koordiniert, gab im August 2001, also nach sechs Jahren intensiver Suche, die Gesamtzahl der gefundenen Leichen mit "mindestens 2.028" an. Diese seien aus 21 Massengräbern geborgen worden. Weitere Gräber sind vorhanden, aber noch nicht ausgewertet.

Strittig ist weiterhin, wie viele dieser Toten ermordet wurden, und wieviele in Kämpfen starben. Die Richter in Den Haag stellten dazu im Verfahren gegen den bosnisch-serbischen Armeegeneral Radislav Krstic fest:

"Der Gerichtshof kann die Möglichkeit nicht ausschließen, dass ein Prozentsatz der in den Gräbern gefundenen Leichen Männer sein könnten, die im Kampf getötet wurden."

Ein Drittel der 10.000 bis 15.000 muslimischen Flüchtlinge, die sich von Srebrenica nach Tuzla durchschlagen wollten, waren nach Erkenntnissen der Richter Soldaten. "Die Militärexperten sowohl der Anklage wie der Verteidigung stimmen darin überein, dass nach den Bestimmungen der bosnisch-serbischen Armee diese Kolonne ein legitimes militärisches Ziel darstellte", hieß es im Urteil.


Das Gericht in Den Haag bewertete das Geschehen in Srebrenica trotzdem als Völkermord und sah Radislav Krstic als einen der Hauptverantwortlichen dafür an. Am 3. August 2001 wurde er daher zu 46 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht geht dabei aufgrund von Aussagen von Augenzeugen von einer erheblich höheren Zahl von Getöteten aus. Es hält sich an die häufigste Darstellungsform von 7.500 "oder mehr" Toten.

Beim Durchbruchsversuch der Muslime kam es zu tagelangen Gefechten mit dem Drina-Korps der bosnisch-serbischen Armee. Dass das Hauptziel der bosnisch-serbischen Führung dabei nicht die physische Vernichtung, sondern die militärische Ausschaltung des Gegners war, wurde in dem Prozess aktenkundig: Demnach haben die Serben 5.000 Flüchtlingen der eingeschlossenen Kolonne freien Abzug gewährt, da sie unbewaffnet waren.

Von den bewaffneten Muslimen, die schließlich gefangen genommen wurden, sind sehr viele exekutiert wurden - eindeutig ein Kriegsverbrechen. Ungeklärt ist, ob diese Morde von der Armeeführung angeordnet wurden oder ob es ein spontanes Pogrom war, das die Generalität nicht verhindert hat, weil sie es entweder nicht verhindern konnte oder nicht wollte. Der Untersuchungsbericht der niederländischen Armee (siehe auch www.srebrenica.nl) stellt dazu fest:

"Ein schriftlicher Befehl wurde nicht gefunden ... Es ist unwahrscheinlich, dass (das Massaker) lange vorher in dieser spezifischen Form und in diesem Ausmaß geplant worden war ... Besonders angesichts der großen Anzahl von Gefangenen verloren die bosnischen Serben die Selbstkontrolle."

Weiterhin lehnt die Studie eine Schuldzuschreibung an den damaligen jugoslawischen Präsidenten explizit ab: "Es gibt keine Hinweise auf eine politische oder militärische Verbindung (des bosnisch-serbischen Generalstabes) nach Belgrad." Damit wäre die Haager Anklageschrift gegen Slobodan Milosevic an einem wichtigen Punkt praktisch zusammengebrochen: Der Vorwurf des "Völkermordes", der in der ursprünglichen Anklageschrift vom Mai 1999 bezüglich des Kosovo nicht erhoben wird, war in ihrer Erweiterung im November 2001 bezüglich Srebrenica nachgeschoben worden. Zwischenzeitlich sollen jedoch in Den Haag schriftliche Befehle von Karadzic aufgetaucht sein, die auf einen geplanten Massenmord hindeuten könnten.

Das viele wehrlose Muslime in und um Srebrenica exekutiert wurden, ergibt sich weiter aus den in den Massengräbern gefundenen Fesseln und Augenbinden. Da man Gefangene auch hinrichten kann, ohne sie vorher zu fesseln, können aber auch tausend, oder sogar mehrere tausend mehr ermordet worden sein. Das ist schlimm genug, aber kein Grund, die Opferzahlen zu Propagandazwecken mit zwei zu multiplizieren, wie die deutsche Presse, oder mit fünf, wie der zu Unrecht in Vergessenheit geratene Lügenminister Scharping

Wir werden uns hier KEINESFALLS an irgendwelchen Spekulationen beteiligen. EIN TOTER IST BEREITS EINER ZUVIEL! Und in Srebrenica hat ein verabscheuungswürdiger Völkermord stattgefunden. Aber ebenfalls verantwortungslos ist der Umgang einiger Interessengruppen mit den Zahlen und den Toten.