Bosnien - Herzegowina
Größe
Einwohner
Vorwort Geschichte
Geschichte bis 1400
1481 bis 1878
1878 bis 1980
1980-1992
Verfolgung der Orthodoxen
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Größe / Staatsgebiet
Die Gesamtgröße des Landes beträgt 51.129 qkm, ist also etwa so groß, wie das deutsche Bundesland Niedersachsen

Ausdehnung von Nordwest nach Südost ca. 360 km, von Südwest nach Nordost ca. 250 km.

Im Norden und Westen gemeinsame Landesgrenzen mit Kroatien (932 km), Im Osten und Süden mit Jugoslawien (527 km).

Im Südwesten ca. 20km breiter Zugang zur Adria mit der Stadt Neum.

Höchster Berg ist der Maglic mit 2387 m.

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Einwohner
Bedingt durch die bewegte Geschichte des Landes gerade auch in den letzten 120 Jahren hat sich die Bevölkerungsstruktur des Landes ziemlich verändert.
Moslime Orthodox (serbisch) katholisch (kroatisch)
Volkszählung 1910 612.137 (32,25%) 825.918 (43,49%) 434.061 (22,87%)
Volkszählung 1931 (ca.) 717.979
(30,9%)
1.027.011
(44,2%)
548359
(23,6%)
zweiter Weltkrieg, "kleiner" Holocaust an den Serben
Volkszählung 1961 1.118.131
(34,1%)
1.406.057
(42,9%)
711.665
(21,7%)
Volkszählung 1981 1.630.033 (39,5%) 1.320.738 (32%) 758.140 (18,4%)
Volkszählung 1991 1.902.956 (43,5%) 1.366.104 (31,2%) 760.852 (17,4%)
Schätzung 2001 1.835.400 (48,3%) 1.292.000 (34%) 585.200 (15,4%)


Geschichte Bosniens, Vorwort
Bosnien, das "Pulverfaß Europas"

Die Geschichte Bosniens wurde immer wieder nach Belieben verfälscht, um persönliche Ansichten und Vorgehen und nationalistische Interessen zu rechtfertigen.

Wir haben versucht, uns über die bosnische Geschichte und damit auch über die Wurzeln der heutigen Konflikte in diesem "Vielvölkerstaat" ein eigenes Bild zu machen, und haben dabei bewußt auf Quellen von allen Seiten und Interessengruppen zurückgegriffen. Wir sind keine Historiker und manch einer mag unsere Ergebnisse daher belächeln aber wir sind für jede Korrektur und jeden weiteren Hinweis dankbar. Selbstverständlich ist auch unsere Darstellung subjektiv und sollte vom Leser relativiert werden. So wurde uns vorgehalten, wir würden einseitig die religiöse Vielfalt Bosniens in den Vordergrund stellen und ethnische Unterschiede ignorieren. Aber wir können die erst in den letzten 100 Jahren durch aufflammenden Nationalismus entstandenen Bemühungen, sich von Andersgläubigen auch ethnisch abzugrenzen, nicht als die Wurzel allen Übels sehen. Schon im frühen Mittelalter nannten sich die Bewohner dieses Landes Bosnier, über alle Religionsgrenzen hinweg. Wenn sich dann aufgrund jahrhundertelanger Unterdrückung und Ausbeutung Bevölkerungsteile einiger Religionsgruppen an Gleichgläubige in Nachbarländern angenähert haben, so ist dies verständlich, macht diese jedoch noch nicht zu "Einwandern" oder gar "Eroberern". Auch im letzten Krieg sind nicht etwa Serben aus dem Nachbarland in Bosnien plündernd und brandschatzend eingefallen, sondern es sind nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates Jugoslawien jahrhundertalte Ängste ausgebrochen, die zu Kämpfen um die eigene Existenz führten, die von allen Seiten aus erbittert und von Verbrechern auch völkermordend durchgeführt wurden.

Der Eindruck, den wir nach Studium diverser Quellen erhalten haben, ist folgender.

Bosnien ist eigentlich kein "Vielvölkerstaat" im eigentlichen Sinne, sondern ein "Mehrreligionenstaat" der in der Geschichte bis ins 14. Jahrhundert als Grenzland von der Auseinandersetzung der westlich- katholischen und der östlich - orthodoxen Kirche geprägt wurde, und in der sich anschließenden türkischen Besatzungszeit (400 Jahre) die Schnittstelle zwischen dem Christentum und dem Islam in Europa bildete. In diesen Jahrhunderten ist das heutige Bosnien gewachsen. In einem kleinen Land mit wenigen Einwohnern, die alle dieselbe Sprache sprachen und von gleicher slawischer Herkunft waren, trafen die drei großen mediterranen Zivilisationen zusammen: die westeuropäische in Form des Christentums, die byzantinische mit der orthodoxen Glaubensrichtung und der Islam in Form des Ottomanenreichs. Als die Juden Ende des 15. Jahrhunderts aus Spanien und Portugal verbannt wurden, boten ihnen die Ottomanen Asyl, und sie bildeten die vierte kulturelle Komponente in Bosnien-Herzegowina.

In der Blütezeit Bosniens unter Ban Kulin (1180 - 1204) und mehr noch unter König Trvtko I (1353 bis 1391) gab es keine "Kroaten" oder "Serben" in Bosnien, sondern bestenfalls katholische oder orthodoxe Bosnier, alle der gleichen slawischen Abstammung. Moslime waren von vollkommen untergeordneter Bedeutung. In dieser Zeit ist Bosnien der mächtigste Staat auf dem Balkan.

Das Ende dieser Epoche wird eingeleitet durch die berühmte Schlacht auf dem Amselfeld (heutiges Kosovo), wo die vereinten christlichen Truppen aus Bosnien, Serbien, Ungarn und Bulgarien und Albanien am 28. Juni 1389 dem osmanischen Heer des Sultans unterlagen. Der Zusammenbruch war derart niederschmetternd, daß er ein tiefes Trauma bei den Christen hinterließ. Das schreckliche Schicksal der Serben und anderer Christen wurde von Dichtern und Sängern als das "Epos von Kosovo" über Hunderte von Jahren überliefert. Der Jahrestag des Kampfes gilt bei den Serben bis in die heutige Zeit als Feiertag. Der Vormarsch der Türken war nicht mehr aufzuhalten. Nach dem Fall Konstantinopels 1453 und der gänzlichen Unterwerfung Serbiens 1459, war das Schicksal Bosniens besiegelt. Als die Türken 1460 in Bosnien einmarschierten, kam niemand zur Hilfe, weder Venedig, noch Ungarn, noch der katholische Westen. 1463 unterwarf sich Bosniens letzter König Stefan Tomasevic den Türken, die ihn prompt köpften.

Bosnien wurde islamisiert und in das osmanische Staatsgefüge eingeordnet. Bosnien wird Paschalik mit Sitz eines Paschas (zuerst in Sarajevo, später dann in Travnik). Durch die ständigen Kriege zwischen den Osmanen und dem Habsburgerreich (Österreich) kommt es fortlaufend zu großen Flüchtlingsströmen nach Ungarn und Kroatien (hauptsächlich Katholiken). Die christliche Bevölkerung Bosniens nimmt dadurch drastisch ab.

Die Moslime wanderten nicht etwa aus der Türkei nach Bosnien ein, sondern die Bosnier wurden islamisiert. Dabei traten große Teile des bosnischen Adels sowie die christliche Glaubensgemeinschaft der Bogumilen geschlossen zum Islam über, um ihre Privilegien zu behalten und Steuerfreiheit zu geniessen. In Serbien waren die Türken eine ausländische Besatzungsmacht, in Bosnien wurden die zum Islam übergetretenen Bogumilen zur privilegierten Klasse.

Im Gegensatz zu anderen von den Türken eroberten Gebieten unterließ es der in Bosnien eingesetzte türkische Gouverneur oder "Vali", sich in die politischen Entscheidungen der lokalen Behörden einzumischen. Eine neu entstandene bosnisch-muslimische Aristokratie verwaltete das Land. Es herrschte zwar im Grundsatz Relogionsfreiheit, aber die Christen wurden in der Folgezeit von den Türken und von ihren inzwischen zum Islam konvertierten slawischen Brüdern unterdrückt. Sie wurden gezwungen, hohe Steuern zu zahlen und Agrarprodukte zu liefern, man beließ ihnen jedoch die Freiheit, ihre Religion auszuüben. Die Unterdrückung übersteigt in mancher Beziehung die Vorstellungswelt der Menschen des 21. Jahrhunderts. Erwähnt sei an dieser Stelle nur die "Knabenlese", eine von den Moslimen erdachte "Sonderabgabe" für die Christen. Die türkischen Janitscharen zwangsrekrutierten in den christlichen Dörfern jedes dritte, fünfte und siebte Jahr Knaben, die sie dann entführten, moslemisch erzogen und als Janitscharen gegen die eigenen Angehörigen als Soldaten kämpfen liessen.

Im Bosnienkrieg 1992-1995 war in westlichen Medien oft zu hören, serbische Truppen hätten Bosnien "angegriffen" und zeitweise "bis zu 70 % des Staatsgebietes in ihre Gewalt gebracht". Diese Darstellung ist vollkommen falsch. Seit dem der Zeit der Türkenherrschaft bewohnten die christlichen Bevölkerungsanteile die ländlichen Gegenden, während die moslemischen Bosnier (die herrschende Aristokratie) die Flußtäler und Städte bewohnte. Es versteht sich von selbst, daß die ländlichen Gebiete, in qkm gemessen, erheblich größer sind, wie die Städte. Die Auswirkungen der Katastrophe, die die türkische Besetzung über die Region brachte, sind bis heute spürbar. Die Balkanvölker haben niemals das kulturelle Erwachen West-Europas erlebt. Während der Jahrhunderte andauernden Herrschaft der Türken blieben sie unberührt von der Renaissance, der Rückkehr zu griechischen und römischen Ideen, der protestantischen Reformation, der wissenschaftlichen Revolution, der Aufklärung und der industriellen Revolution.

Wir möchten noch einmal darauf hinweisen, daß die Moslime in Bosnien keine andere oder eigenständige ethnische Gruppe sind, sondern lediglich Bosnier moslemischen Glaubens. Sie haben auch immer "bosnisch" gedacht und gehandelt (siehe die Aufstände bosnischer moslemischer Adeliger gegen die türkische Herrschaft in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts). Selbstverständlich haben die Gläubigen in Bosnien sich im Laufe der Geschichte immer zu Glaubensbrüdern im benachbarten Ausland hingezogen gefühlt (Katholiken zu den Kroaten, Orthodoxe zu den Serben), dies macht diese Bosnier aber noch nicht zu Kroaten oder zu Serben. Wir können die Bemühungen einiger Nationalisten nicht nachvollziehen, die bosnische Nation von der Abstammung her in verschiedene Nationen aufzuteilen. Die bosnischen Moslime sind genausowenig Türken, wie die orthodoxen Bosnier Serben sind. Es sind alles Slawen, deren Vorfahren, von einigen Flüchtlingsbewegungen abgesehen, seit vielen Jahrhunderten Bosnien bewohnen.

Aus dieser bewegten Geschichte heraus wuchs über Jahrhunderte eine tiefe Angst und großes Mißtrauen den "Andersgläubigen" und der fremden Kultur gegenüber. Diese Angst wurde durch politische Dummheit und Machtgier bis in das 20. Jahrhundert hinein geschürt (siehe Serbenverfolgungen im 1. und 2. Weltkrieg usw.). Dies ist die Lunte am Pulverfaß Bosnien.

Wieviel Generationen sind wohl nötig, um wirklichen Frieden zu schaffen? Zur Zeit scheinen sich, wenn auch durch die SFOR Truppen zwangsbefriedet, unter der Oberfläche die Gräben noch zu vertiefen. Es gibt wahrscheinlich nicht eine einzige bosnische Familie, die nicht im Krieg gelitten hat. Und die Angst und die Wunden werden durch Armut, Not und Vertreibung nicht kleiner. Bei allen Bevölkerungsgruppen hat man den Eindruck, daß die separatistischen Bestrebungen nicht abnehmen, sondern zunehmen. Diese Abgrenzungstendenzen muten einen Aussenstehenden manchmal fast albern an, haben aber bedrohlichen Charakter. Ein Beispiel:

War eine ethnische Zuordnung selbst vielen Moslems in Bosnien bis vor wenigen Jahren unklar, besser gesagt unwichtig, so hat sich dies durch diesen Krieg radikal verändert: Kroaten und Serben haben durch den Zweiteilungsversuch in Bosnien eine Dreiteilung erreicht. Stritt man sich unter Tito jahrzehntelang, ob die Sprache kroatisch oder serbisch, kroatoserbisch oder serbokroatisch, mit oder ohne Bindestrich von einander getrennt geschrieben wird, gibt es nun offiziell drei, eben auch eine bosnische Sprache, auch wenn sie sich sprachlich so gut wie nicht voneinander unterscheiden. Als Nationalitätenname wird seit kurzem versucht, das etwas antiquierte Wort "bosnjak" wiederzubeleben, als Unterscheidung zum "bosanac", der auch die Bosnier katholischer und orthodoxer Religionszugehörigkeit umfaßte.


Geschichte bis 1481 n.Chr.
395 Erste pol. Teilung des Balkan durch die Teilung des römischen Reiches, wobei der größte Teil Kroatiens, ein Teil Bosniens, und ganz Slowenien dem weströmischen Reich zugeschlagen wurde, während die restlichen Teile (Ost-Kroatien, Süd-Ost-Bosnien, Serbien, Montenegro und Makedonien) ans oströmische Reich fielen.
6./7.Jahrhundert slawische Einwanderung in das Gebiet Bosniens und Herzegowinas
1054 Endgültige Spaltung der Kirche in katholisch und orthodox, die politische Trennung wurde von den Kirchenfürsten nachvollzogen. Unterschiedliche Auffassungen gab es bereits seit 451 (Konzil von Chalzedon).
1180 Bosnisches Fürstentum unter Ban Kulin. Er duldet die religiöse Bewegung der Bogumilen, die in anderen Gebieten des westlichen Balkans als Ketzerbewegung verfolgt wird.
1353 bis 1391 Blüte des bosnischen Fürstentums unter König Tvrtko I.
1463 Großteil Bosniens unter türkischer Herrschaft. Konversion bogomilischer Bevölkerungsgruppen sowie des bosnischen Adels zum Islam, um alte Privilegien zu sichern. Der letzte bosnische König Stefan Tomasevic unterwirft sich den Türken, wird aber von ihnen hingerichtet.
1481 Herzegowina unter türkischer Herrschaft.


1481 bis 1878, 400 Jahre türkische Herrschaft

Vorwort Im Grundsatz herrschte unter der Herrschaft der Türken im osmanischen Reich im Gegensatz zu vielen anderen Staaten Religionsfreiheit. Allerdings wurden die Nicht-Muslime mit außerordentlich hohen Steuerlasten belegt und mußten auch sonst etliche Repressalien erleiden. Hierzu gehörte beispielsweise die "Knabenlese". Hier wurden in jedem dritten, fünften und siebten Jahr kleine Jungen aus christlichen Dörfern entführt, in Anatolien islamisiert und streng erzogen und wurden später in der Eliteeinheit der Osmanen, den Janitscharen als Soldaten eingesetzt. Nicht- Muslime durften weder Waffen tragen, noch Prozesse gegen Moslime führen.
1580 Mehrere Aufstände gegen die türkische Herrschaft enden erfolglos.
1683 Türken vor Wien von Prinz Eugen geschlagen. Die habsburgisch-österreichischen Truppen dringen bis tief ins osmanische Serbien vor. Die österreichischen Agenten wiegelten die Serben auf, sich zu erheben. Im Kosovo taten sie das. Sie wurden aber bald von den Habsburgern fallen gelassen. 300'000 Serben flohen damals aus dem, wie die osmanischen Steuerregister beweisen, überwiegend orthodoxen Kosovo in die Gegend um Belgrad und ins österreichische Südungarn. Islamisierte albanische Stämme drangen darauf ins verlassene Kosovo ein, wo immerhin die Kirchen und Klöster unversehrt blieben.

1804-1813 Aufstände gegen die Türken in Serbien und in Bosnien unter Georg Petrowitsch Czerny, genannt "Karadjordje" (schwarzer Georg).
1839 Auflösung der Selbstverwaltung Bosniens nach anti - türkischen Aufständen der feudalen islamischen Oberschicht.
Juli 1875 Aufstand der Christen in Herzegowina und Bosnien gegen die willkürliche Erhebung von Sondersteuern. Serbien und Montenegro schließen sich an.
1878 Besetzung Bosniens durch Österreich - Ungarn.Die Lebensbedingungen der christlichen Bauern änderten sich nur geringfügig, und so kam es 1881 zu einem erneuten Aufstand. Die neuen Herrscher waren gezwungen, Reformen durchzuführen, die Ende des Jahrhunderts endlich Früchte trugen. Lange Zeit hegte Österreich den Wunsch, Bosnien und Herzegowina in das Reich einzugliedern.

1878 bis 1980
1908 Eingliederung Bosniens nach Österreich-Ungarn.
1910 1910 wurde eine gesetzgebende Versammlung mit beschränkter Macht eingerichtet. Die Zusammensetzung des Parlaments war proportional zum Verhältnis der Religionen in Bosnien. Gemäß einer Zählung im gleichen Jahr, setzte sich die Bevölkerung von Bosnien und Herzegowina wie folgt zusammen: 825.418 orthodoxe "Serben" (43,5%), 612.137 Moslems (32,4%), 434.061 katholische "Kroaten" (22,8%) und 11.868 Juden (0.6%). Da interne Differenzen innerhalb des Landes bestanden, suchten die jeweiligen Gruppen außerhalb Bosniens nach Hilfe und Führung. Durch den schwindenden Einfluß der Türken verloren die Moslems ihre aristokratischen Privilegien. Die Katholiken sahen sich mit den Ereignissen in Kroatien eng verknüpft. Die Orthodoxen orientierten sich an ihren Glaubensbrüdern in Serbien. Die eigentliche politische Macht hingegen lag noch immer in den Händen der österreichisch-ungarischen Regierung.
28. Juni 1914 In Bosnien plante die serbische Terroristengruppe "Schwarze Hand", österreichisch-ungarische Statthalter zu töten. Am 28. Juni 1914, dem Jahrestag der fatalen Schlacht im Kosovo, besuchte Herzog Franz Ferdinand, der designierte Kaiser des österreichisch-ungarischen Reiches, seine zukünftigen Untertanen. In Sarajevo wurde er von der "Schwarzen Hand" ermordet, was zu einer Verschärfung der Spannungen zwischen Österreich-Ungarn und Serbien führte. Wien bezichtigte Belgrad des Mordes. Belgrad wies jedoch jegliche Verantwortung für den Anschlag von sich. Österreich hatte einen Vorwand gefunden, Serbien den Krieg zu erklären. Weitere politische Verwicklungen führten zum 1. Weltkrieg.
20. Juli 1917 Deklaration von Korfu Idee eines jugoslawischen Staates
01. Dezember 1918 Ausruf des "Königtums der Serben, Kroaten und Slowenen"
1928 Kroatien scheidet aus dem Belgrader Parlament aus, als der Führer der Kroatischen Bauernpartei von einem serbisch-montenegrinischen Abgeordneten erschossen wird. In Agram eröffnen sie einen separatistischen Landtag.
1929 Nach häufigen Streitigkeiten im Parlament zwischen Kroaten und Serben übernimmt König Alexander die Macht und ruft das "Königreich Jugoslawien" aus. König Alexander versuchte eine neue "jugoslawische Identität" zu schaffen, stieß damit jedoch auf Widerstände in Serbien und Kroatien. 1934 wurde er ermordet.
1934 Der wachsende Faschismus in Kroatien bringt die "Ustasha" hervor, die eine terroristische kroatische Politik verfolgt und mit nationalsozialistischer Unterstützung 1934 in Marseille den König Alexander I. ermordet.
1939 1939 wurde Kroatien um Dalmatien und Teile Bosnien-Herzegowinas vergrößert. Zu dieser Zeit tauchte erstmals eine kroatische Terroristengruppe namens "Ustascha" auf. Ursprünglich aus Italien stammend, verfügte die Ustascha über Verbindungen zu deutschen und italienischen Faschisten.

Bei Ausbruch des Krieges im Herbst 1939 bewahrte Jugoslawien Neutralität.

1941 Am 25.03.1941 tritt Jugoslawien dem Dreimächtepakt Deutschland, Italien und Japan bei, woraufh in es in Belgrad und anderen Städten zu Massenkundgebungen gegen den Beitritt kommt. Zwei Tage später wird die Regierung von serbischen Offizieren um den General D. Simovič gestürzt. Hitler beschließt daraufhin, Jugoslawien früher als geplant anzugreifen. Am 6.04. 1941 wird Belgrad bombardiert, während gleichzeitig die Wehrmacht von Süden her nach Jugoslawien eindringt. Große Teile des jugoslawischen Territoriums wurden unter Deutschland, Italien, Ungarn und Bulgarien aufgeteilt. Serbien untersteht der deutschen Militärverwaltung. Eine Woche später erklärte Kroatien unter der Führung der Ustascha seine Unabhängigkeit, Bosnien-Herzegowina Kroatien einverleibt. Ante Pavelič kehrte aus dem italienischen Exil heim, um als Führer von Mussolinis und Hitlers Gnaden dem kroatischen “Reich Gottes”, wie es von den Ustaschen genannt wurde, zu präsidieren. Der Ustascha gehörten katholische Priester und Mönche in leitender Funktion an. Landesweit bildeten Klöster und Kirchen ihre Stützpunkte.

Hunderttausende Serben, Juden und Roma wurden von dem Ustascha Regime vertrieben oder ermordet. Ante Pavelic, der Führer der Ustascha, faßte seine Politik gegenüber den Serben wie folgt zusammen: "Ein Drittel werden wir umbringen, ein Drittel aus Kroatien vertreiben und ein Drittel zum Katholizismus bekehren." Genau dies wurde in Kroatien und in den kroatisch kontrollierten Gebieten von Bosnien-Herzegowina getan. Schätzungen belaufen sich auf dreihunderttausend bis eine Millionen ermordeter Serben. Von ca. sechzigtausend Juden wurden fünfzigtausend umgebracht. Serben und Juden waren die eigentlichen Opfer der Politik Hitlers und seiner kroatischen Verbündeten. Viele von ihnen wurden auf der Stelle getötet, andere in Konzentrationslager gesteckt. Das größte und berüchtigtste KZ lag in Jasenovac, an der bosnisch- kroatischen Grenze in der Nähe von Prijedor. In zahlreichen Fällen wurden Juden, serbische Frauen und Kinder in orthodoxe Kirchen getrieben, die dann in Brand gesteckt wurden.

1944 Während des Zweiten Weltkrieges spaltete sich der Widerstand gegen die deutschen Besatzer in zwei Gruppen: zum einen in die jugoslawische Armee, die auch unter dem Namen Tschetniks bekannt war, zum anderen in die Partisanen, die Kommunisten waren. Die Partisanen operierten vorwiegend in den Bergen von Montenegro und Bosnien-Herzegowina. Die Tschetniks hielten sich mehrheitlich in Serbien auf. Ihr Ziel war die Befreiung Jugoslawiens von den deutschen Besatzern. Die Absicht der Partisanen war es, ein neues, kommunistisches Jugoslawien unter der Führung des Kroaten Tito zu gründen. Die Tschetniks waren eine irreguläre Gruppe, Tito hingegen besass eine hierarchisch gegliederte, effiziente Organisation.

Tito bekämpfte die Tschetniks mit Hilfe von Propaganda und anderen Mitteln. Die Alliierten unterstützten zunächst beide Gruppen, seit 1944 jedoch nur noch die Partisanen. Als Hitlers Drittes Reich zusammenbrach, waren die Deutschen gezwungen, sich aus Jugoslawien zurückzuziehen. Ende September 1944 hatten sie den Balkan verlassen. Die sowjetische Rote Armee rückte in Jugoslawien ein, und die Tschetniks waren die ersten, die sie als Befreier willkommen hiessen. Doch schon bald wurden sie von den Sowjets vernichtet. Auf diese Weise kam Tito an die Macht.

Nachkriegszeit Tito teilte Jugoslawien entlang der ethnischen Grenzen in sechs Republiken. König Alexander hatte jegliche Form von ethnischem Chauvinismus bekämpft. Es war sein Ziel, daß sich die Bewohner seines Landes in erster Linie als Jugoslawen sahen. Tito hingegen betonte bewußt die ethnischen Grenzen, was schließlich zu Problemen führen mußte. Die meisten Historiker stimmen darin überein, das Tito Politik mit dem Ziel betrieb, Serbien und die Serben zu demütigen. Er hatte nicht vergessen, daß während des Zweiten Weltkrieges die mit den Partisanen konkurrierenden Tschetniks zum größten Teil von Serbien unterstützt wurden. So wird verständlich, warum Tito zwei autonome Provinzen innerhalb Serbiens gründete - Vojvodina und Kosovo. Er zwang dadurch 30% aller Serben, außerhalb ihrer eigenen Republik zu leben. Ein Umstand, der unter der serbischen Bevölkerung zu großer Verbitterung führte.

Verursacht durch das grausame Vorgehen der Deutschen und Kroaten gegen die Serben während des Zweiten Weltkrieges, hatte sich das zahlenmäßige Verhältnis der verschiedenen Religionsgruppen in Bosnien-Herzegowina radikal verändert. Die Bevölkerung bestand nun zu 45% aus Moslems, nur noch zu 34% aus Orthodoxen und zu 17% aus Katholiken.

Vor Titos Herrschaft betrachtete man die Moslems nicht als separate ethnische Gruppe oder "Nation". Tito beschloss, sie als eigenständige Gruppe anzuerkennen, indem er religiöse Zugehörigkeit mit ethnischer Identität gleichsetzte. Diese Entscheidung zog tiefgehende Konsequenzen nach sich.

Tito weigerte sich, den Machtanspruch Stalins und die alleinige Führungsrolle der sowjetischen Kommunistischen Partei anzuerkennen. Dieser Konflikt führt zum Bruch mit dem restliche Ostblock. Die Kominform schloß Jugoslawien 1948 aus. Die UdSSR kündigte zugleich den Freundschafts- und Beistandspakt von 1945. Aufgrund der Wirtschaftsblockade durch den Ostblock suchte Jugoslawien westliche Hilfe und schloß 1954 mit der Türkei und Griecheland den Balkanpakt. Das Land wurde auf der Basis einer weitgehenden Selbstverwaltung verwaltet. Die nationalen Spannungen wurden durch föderative Struktur des Staates gebändigt. Um die starke Teilrepublik Serbien nicht die Überhand gewinnen zu lassen, wurden 1974 auf deren Gebiet die autonomen Provinzen Kosovo mit Pristina als Hauptstadt und Vojvodina mit Novi Sad als Hauptstadt gegründet.

1945-1980 In den 35 Jahren seiner Herrschaft gelang es Tito, die Entwicklung seines Landes massiv voranzutreiben. Obgleich etwa die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig war, nahm die industrielle Produktion dramatisch zu. Der Lebensstandard wuchs in Bosnien-Herzegovina und in den anderen Teilen des Landes. Nach einer Reihe politischer Veränderungen und Reformen erwies sich die neue Verfassung im Jahre 1974 als verhängnisvoll. Tito begründete eine Präsidentenschaft, die sich aus insgesamt acht Personen zusammensetzte; jede Region stellte ein Mitglied. Nach seinem Tode im Jahre 1980 machten sich die Schwächen und Widersprüche des politischen Systems bemerkbar. Uneinigkeit und Verunsicherung spalteten die Nation und führten schließlich zum gegenwärtigen Blutvergießen. Tito's Nationalitätenpolitik erweist sich auch heute noch als fatal.

Außenpolitisch gelang es Tito, Jugoslawien von Moskau weitgehend unabhängig zu halten. Dies führte in Jugoslawien zu Freiheiten für die Bevölkerung, die in anderen Ostblockstaaten nicht zu finden waren.

1980-1990 Schon vor dem Tod Titos im Mai 1980 steigen die wirtschaftlichen Probleme Jugoslawiens zunehmend an. Danach sollte sich die Situation noch weiter zuspitzen. Anfang der 80er Jahre beträgt die Inflation bereits 40 Prozent, die Auslandschulden rund 20 Milliarden US-Dollar. Etwa zur selben Zeit kam es in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, zu nationalistischen Demonstrationen, bei denen elf Menschen getötet wurden. Ein Programm des Internationalen Währungsfonds verschärft die soziale Situation zusätzlich. Der Reallohn geht in nur sechs Jahren, bis 1986 um bis zu 40 Prozent zurück, die Produktivität sinkt in den Keller. Anfang 1986 beträgt die Inflationsrate etwa 100 Prozent, Anfang 1987 verfügte die Regierung das Einfrieren der Löhne

In dieser Situation bekommt der Nationalismus in Jugoslawien an allen Ecken und Enden Aufwind .Aus Slawen wurden plötzlich unterschiedliche “Rassen” oder “Völker”: “Kroaten, Serben, Moslems”. In der serbischen Parteiführung setzt sich 1987 Milosevič mit seinem nationalistischen Kurs gegen den als liberal geltenden Republikpräsidenten Stainbolič durch. In Kroatien gewinnt der Nationalist Tudjman an Einfluß, in Bosnien der radikale Muslimführer Izetbegovič. Im Dezember 1989 beginnt ein innerjugoslawischer Handelskrieg. Serbien belegt slowenische und kroatische Waren mit Sondersteuern, Kroatien verlangt Sondersteuern von Serben, die Ferienhäuser an der Adria besaßen, Slowenien stellt seine Zahlungen an den Republikenfinanzausgleich ein. Die Kommunistische Partei zerfäll 1991 in einzelne Republikorganisationen.


1980-1992 Zerfall Jugoslawiens
4. Mai 1980 Jugoslawiens Staatschef Josip Broz „Tito“ stirbt im Alter von 88 Jahren. Ein kollektives Staatspräsidium (mit jährlich wechselndem Vorsitz) übernimmt die Führung in Belgrad.
ab 1981 Die Wirtschaftslage Jugoslawiens verschlechtert sich rapide. Der Rückgang des Lebensstandards führt zu einer weiteren Verschärfung der Nationalitätenkonflikte. In der serbischen Provinz Kosovo kommt es zu schweren Unruhen.

In den dank des Fremdenverkehrs relativ wohlhabenden Teilrepubliken Slowenien und Kroatien, die den größten Teil des Nationaleinkommens Jugoslawiens erwirtschaften, wird der Ruf nach Abkehr vom Kommunismus bzw. nach Unabhängigkeit immer lauter.

8. Februar 1984 In Sarajevo (Hauptstadt von Bosnien-Herzegowona) finden bis zum 19. Februar die XIV. Olympischen Winterspiele statt. 1.278 Sportler (276 Frauen) aus 49 Ländern nehmen an insgesamt 38 Wettbewerben in sieben Sportarten teil.

Verfolgung der orthodoxen Christen
Bereits vor dem Kriegsausbruch im Jahre 1914 entwarfen die Österreicher einen umfassenden Plan zur Unterdrückung des "serbischen Separatismus", d.h. des Wunsches der orthodoxen Bosnier, sich mit den Glaubensbrüdern im freien Serbien zu vereinen und der Unterdrückung und Ausbeutung so zu entgehen. Die Zahl der orthodoxen Bevölkerung sollte deutlich gesenkt werden. Hinter dieser Idee standen die habsburgische Armeeführung sowie klerikalistische Kreise. Generalgouverneur Oscar Potiorek, der aus einer slowenischen Familie aus Bleiberg Niedersteiermark stammte, wurde beauftragt, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Gemäß dem strategischen Konzept aus dem Jahre 1906 sollten alle Feldzüge gegen Serbien von der Drina geführt werden, d. h. durch sehr unwegsames Gelände, obwohl die bisherigen Kriege in der Geschichte immer aus dem nördlichen, besser entwickelten Save und Donauraum heraus geführt worden waren. Der neuen, aus militärischer Sicht unvernünftigen Strategie lagen politische Motive zugrunde. Mit der serbischen Armee sollte auch die orthodoxe Bevölkerung über die Drina getrieben werden. Zum ersten Mal in der Geschichte ging man daran, eine so großangelegte Vertreibung zu realisieren. Allerdings hatten bereits die osmanischen Behörden in den sechziger Jahren des 19 Jahrhunderts moslemische Flüchtlinge aus Serbien darunter auch einige Tscherkessen in Ostbosnien angesiedelt, um ein lebendiges Bollwerk gegen Serbien zu schaffen.

Im Jahre 1914 wurden bei Kriegsausbruch viele Serben und orthodoxe Bosnier in Konzentrationslager deportiert. So etwas war zwar schon zuvor 1903 in Südafrika praktiziert worden, in der europäischen Geschichte stellen die Vorgänge in Bosnien-Herzegowina aber diesbezüglich den ersten Fall dar. Das kyrillische Alphabet, vor 1815 die einzige nichtmoslemische Schrift in der Provinz, wurde zum »östlichen Eindringling« in das Gebiet der westlichen Zivilisation erklärt und verboten. Im Prozeß von Banja Luka wurde fast die gesamte serbische Intelligenzija angeklagt und zu längeren Haftstrafen verurteilt. Der serbischen Regierung warf man damals subversive Umtriebe und Aggression vor. Dem nationalen Befreiungsprogramm der Serben aus dem Jahre 1844 wurde unterstellt, es beabsichtige terroristische Aktionen im Ausland. Diese Politik erhielt einen festen ideologischen Unterbau, als der kroatische Schriftsteller Ivo Pilar unmittelbar nach Kriegsausbruch dem General Potiorek in einer deutschsprachigen Denkschrift ein kroatisch-nationalistisches Programm vorlegte und 1918 darüber in Wien ein Buch unter dem Titel »Südland: Südslawische Frage« veröffentlichte. Kroatische Übersetzungen erfolgten 1943 und 1990. Heute ist dieses Werk gleichsam zur Bibel des kroatischen radikalen Nationalismus geworden.

Die ersten großen, genozidähnlichen Massaker in der modernen jugoslawischen Geschichte fanden 1914 statt, als moslemische Freiwillige der österreichischen Armee 84 serbische Geiseln in Celebici an der Drina töteten. In einer rückständigen Gesellschaft, in der die Blutrache noch lebendig und der Grundsatz »Zahn um Zahn« ein Leitprinzip des Lebens war, war diese Exekution nur ein geschichtliches Modell für die ähnlichen Massentötungen, die folgten. Während des letzten Krieges war diese Region ein Versuchsfeld für Massenmorde. Da kann es nicht verwundern, daß ähnliche Untaten auch aus dem gegenwärtigen Bürgerkrieg gemeldet werden.

Der kroatische Faschismus nach 1941 war in Wirklichkeit eine katholische Diktatur. Ihre Ideologie bestand aus Anleihen und Adaptationen aus der habsburgischen Bosnienpolitik und aus dem politischen Arsenal der »Katholischen Aktion«. Was immer nach der Proklamation des kroatischen Satellitenstaates 1941 geschah, speiste sich aus diesen beiden Quellen. Das große Massaker an der orthodoxen christlichen Bevölkerung wurde nie so genau untersucht, daß sich die exakte Zahl der Opfer feststellen ließe. Die Gesamtzahl dürfte auf dem Gebiet Kroatiens eine Million betragen haben

Als diese Katastrophe 1941 eine große serbische Widerstandsbewegung auslöste, beendete die italienische Armee in den von ihr besetzten Gebieten Herzegowina, die beiden Krainas und Teile Bosniens zwar die Massaker, die Zwangskonversion zum Katholizismus wurde aber nicht nur stillschweigend fortgesetzt; vielmehr wurde offen erklärt, die vorausgegangenen Massaker und die Zwangskatholisierung seien mit der Zustimmung des Heiligen Stuhls »ha il totale appogio della Santa Sede« erfolgt. Der Faschismus hat zu dieser Politik vor allem den Namen »Bodenreinigung« beigesteuert, den Hitler in seinen frühen Gesprächen mit dem kroatischen Faschistenführer Pavelic benutzte. Die ethnische Säuberung als Mittel der Politik hat in der Geschichte Bosnien-Herzegowinas aber eine viel längere Tradition. Der türkische Historiker Simsir schätzte, daß in den Kriegen von 1876-78 etwa zwei Millionen Moslime aus ihren Heimatorten vertrieben worden sind. Es ist sicher keine übertriebene Feststellung, daß allein auf jugoslawischem Territorium rund eine Million Moslime und noch einmal die gleiche Anzahl Christen gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen.